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Impulspapier: Lässt sich die Resilienz einer demokratischen Öffentlichkeit messen?

23.07.2026

Demokratien weltweit stehen unter Druck. Eine lebendige demokratische Öffentlichkeit ist unverzichtbar, damit Bürger*innen auf Basis verlässlicher Informationen eine Meinung bilden und politische Entscheidungen treffen können. Doch digitale Fragmentierung, strategische Desinformation und gesellschaftliche Verunsicherung machen gemeinsame Zukunftsperspektiven immer schwerer erreichbar.

Die Allianz für die resiliente Informationsgesellschaft arbeitet seit zwei Jahren daran, Wege hin zu einer stärkeren demokratischen Öffentlichkeit zu entwickeln. Im Juni 2026 luden wir Expert*innen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Journalismus zu einem Workshop ein, um herauszufinden: Wie lässt sich Resilienz systematisch erfassen?

Das daraus entstandene Impulspapier findet sich hier:

Impulspapier Lässt sich die Resilienz einer demokratischen Öffentlichkeit messen? (PDF)

Fünf Impulse prägten den Austausch:

  • Alexander Sängerlaub über Öffentlichkeitspolitik als Querschnittsaufgabe: Eine funktionierende Öffentlichkeit hängt vom Zusammenspiel politischer Diskurskompetenz, Journalismus und Medienvertrauen, Plattform-Regulierung und gesellschaftlicher Nachrichtenkompetenz ab.
  • Nayla Fawzi über die entscheidende Rolle von Medienvertrauen: Ein gewisses Vertrauensniveau ermöglicht Orientierung in komplexen Informationslandschaften und schützt vor Desinformation – doch die Krise ist differenzierter zu betrachten, wenn wir Wissen über (nicht-)funktionierende Öffentlichkeiten erlangen wollen.
  • Simone Rafael über individuelle Resilienz als Prozess: Menschen werden resilienter, wenn sie in unterstützende Netzwerke eingebettet sind und Selbstwirksamkeit erfahren. Dies lässt sich aktiv fördern – und in einzelne Aspekte heruntergebrochen auch messen.
  • Franziska Martini über die Wirkungskette von Desinformation: Verbreitung bedeutet nicht automatisch Wirkung – dazwischen liegen entscheidende Zwischenschritte, die durch kritische Einordnung gestoppt werden können. Produktion und Rezeption sollten daher gesondert betrachtet werden.
  • Lena Frischlich über Fehlinformationen als Mehrebensystem: Anfälligkeit für Fehlinformationen lässt sich nicht nur über Medienkompetenz erklären, sondern erfordert eine kombinierte Betrachtung individueller, gruppenbezogener und struktureller Faktoren, die sich jeweils verschieden operationalisieren lassen.

Fünf Spannungsfelder zeichnen die weitere Diskussion:

  1. Sollte Resilienz gemessen oder kontinuierlich monitoriert werden?

  2. Ist Aufmerksamkeit ein zentrale Indikator – oder muss sie im Kontext betrachtet werden?

  3. Braucht Resilienz einen konkreten Schock, um messbare Bezüge herzustellen?

  4. Sollen wir Defizite messen oder ein positives Leitbild als Maßstab nutzen?

  5. Liegt der Fokus der Messung auf dem Informationsangebots oder seiner Wirkung?

Das Fazit: Ein umfassender Resilienzindex ist methodisch komplex und herausfordernd. Aus strategischer Sicht der Allianz ist er daher nicht zwingend der sinnvollste nächste Schritt. Zielführender erscheint es, zunächst kleinteilig mit ausgewählten Indikatoren einzelne Resilienzdimensionen gezielt zu untersuchen, um bedarfsorientierte Maßnahmen zu entwickeln und deren Wirkung fortlaufend zu evaluieren.

Die Allianz für die resiliente Informationsgesellschaft lädt politische Akteure, Zivilgesellschaft und Organisationen mit Lobbyerfahrung ein, an diesem Dialog teilzunehmen und gemeinsam an einer resilienteren demokratischen Öffentlichkeit zu arbeiten.

Kontakt Wir freuen uns über Gedanken, Impulse und Initiativen.
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